Sommerliche Insektenweide: die Passionsblume

Die blaue Passionsblume - winterhart, perfekt für vertikale Gärten und eine tolle Bienen- und Hummelweide von K.D. Michaelis

Passionsblumen sind eine wirklich sehr artenreiche Pflanzengattung. Normalerweise ist die Passionsblume nicht winterhart und vielen daher nur als Topf- oder Zimmerpflanze bekannt. Wie immer, bestätigt aber auch hier die Ausnahme - in Form der winterharten Sorten - die Regel. Mit einer Wuchshöhe von bis zu 4 Metern lassen sich auch Hauswände oder Zäune begrünen, vorausgesetzt der Platz ist hell und sonnig genug und verfügt über eine Rankhilfe.

 

Für eine Neuanlage empfiehlt sich ein etwas geschützter Standort, zum Beispiel in der Nähe von Hauswänden, Mauern oder Holzzäunen, damit eisige Winde den Pflanzen nicht allzu sehr zusetzen können. Bei dieser Anlage in Hannover schützt eine kleine, etwa 50 cm hohe Trockensteinmauer den frostempflindlicheren Wurzelbereich der Blauen Passionsblumen auf der rückwärtigen Seite zum Garten hin. Seitlich befindet sich ein recht dichter, hoher Holzzaun, der den Garten zur Straße hin abgrenzt und auf der Vorderseite bietet die relativ nahe Hauswand Schutz. Das funktioniert bereits seit einigen Jahren perfekt und diese phantastische Blütenpracht erscheint jedes Jahr aufs Neue und zieht unzählige Insekten - hauptsächlich Bienen und Hummeln - an. Dominieren anfangs die Wildbienen als Besucher, so nimmt die Anzahl der Hummeln  mit Fortschreiten des Sommers zu. Ab Juli findet man schon deutlich mehr pelzige Hummelarten auf den großen Blütentellern der Passionsblumen als im Frühjahr. Das hängt auch damit zusammen, dass ab diesem Zeitpunkt das Nahrungsangebot in aller Regel deutlich abnimmt und deshalb auch viele Wildbienen und Hummeln verhungern. Die richtige Pflanzzeit für Passionsblumen ist das Frühjahr. Dann haben die Pflanzen den ganzen Sommer über ausreichend Zeit, sich an ihrem neuen Standort zu etablieren.

 

Die allermeisten der über 400 Passionsblumen-Arten sind einjährig. Es gibt aber auch einige wenige, winterresistente Formen der Passionsblume, wie z.B.:

  • Die Blaue Passionsblume (Passiflora caerulea).
    Sie eignet sich für Gegenden mit eher milderen Wintern, bei denen die Temperaturen möglichst nicht unter  -10 °C sinken sollten.  
  • Die Fleischfarbene Passionsblume (Passiflora incarnata).
    Sie hält auch härtere Winter mit bis zu -20 °C aus.
  • Die Gelbe Passionsblume (Passiflora lutea).
    Auch sie verträgt Temperaturen von unter -15 °C und übersteht für sehr kurze Zeit sogar bis zu -30 °C.

Bei solch eisigen Temperaturen sterben die oberirdischen Pflanzenteile natürlich ab. Trotzdem sind die Pflanzen im Frühjahr in der Lage, erneut auszutreiben. Das funktioniert aber nur, wenn die Passionsblumen in die Erde gesetzt werden. Pflanzt man sie in Töpfen, frieren diese durch und das überleben die Passionsblumen nicht. Also unbedingt direkt in den Boden setzen und dabei einen Pflanzabstand von circa 50 Zentimetern berücksichtigen. Man bekommt die winterharten Passionsblumen-Sorten oftmals in Gärtnereien oder auch im Online-Versandhandel. Manchmal sogar in größeren Baumärkten mit gut sortierter Gartenabteilung. Einfach die gewünschte Passionsblume mit dem Zusatz 'kaufen' als Suchbegriff im Browser eingeben.

 

Eine ganze Passionsblumenwand in voller Blüte ist ein ganz außergewöhnlich schöner Anblick, den man in unseren Breiten nicht allzu oft bestaunen kann. Die einzelne Blüte bleibt bei den meisen Arten zwar nur 1 bis 3 Tage geöffnet, da jedoch von Mai oder Juni an bis in den September stets neue Blüten erscheinen, bietet so eine blühende Wand oder ein blühender Zaun während der eher nektararmen Sommerzeit eine tolle Insektenweide, an der sich neben Bienen auch Hummeln gerne laben. Bei einigen Unterarten der Passionsblume schließen sich die Einzelblüten auch über Nacht, nur um sich am nächsten Morgen - wie von Zauberhand - wieder zu öffnen.

 

Am 21. Juni haben wir mit verschiedenen Kameras dieses bunte Treiben auf der Passionsblumenwand aufgenommen. Hier geht's zu unseren drei Bienen-Videos, die Euch hoffentlich so gut gefallen, dass sich ja vielleicht sogar ein paar Nachahmer finden, die auch so eine blühende Passionsblumenwand in ihrem Garten anpflanzen. Das wäre toll! Anfang Juli konnte ich dann auch noch ein paar schöne Hummel-Aufnahmen filmen.

Wir würden uns freuen, wenn Euch unsere Bienen- und Hummel-Videos gefallen haben und Ihr uns dafür mit einem Daumen nach oben belohnen würdet :-). Natürlich ist auch ein Teilen des Links auf YouTube ausdrücklich erwünscht, damit sich hoffentlich noch mehr Menschen an dieser wunderschönen, blühenden Gartenwand und ihren wilden Besuchern erfreuen können.

 

Der Wurzelbereich dieser Kletterpflanze sollte regelmäßig und ausreichend gegossen werden. Passiflora verträgt keine Staunässe. Richtig gepflegt, eignet sie sich jedoch hervorragend als blühende Trennwand unterschiedlicher Gartenräume oder um eine ganze Hausmauer zu begrünen. Passionsblumen sind somit ideal, um vertikale Gärten anzulegen und gleichzeitig unsere heimischen Insekten zu unterstützen und sie so gut durch die nahrungsarmen Sommermonate zu bringen.

Blaue Passionsblume mit Hummel. Winterhart, ideal für vertikale Gärten und als sommerliche Insektenweide von K.D. Michaelis

Erdhummel auf einer Passionsblumenblüte von © Marc Wettering

Die Früchte der Passionsblume - nicht immer Maracujas

Obwohl es in der Passiflora-Familie auch Nutzpflanzen gibt, die Früchte in Form von Maracujas hervorbringen, muss man sich bei uns meist mit dem Anblick der wirklich außergewöhnlich schönen, strahlenförmigen Blütenblätter begnügen, denn diese Vertreter ihrer Gattung gedeien bei uns im Freiland leider normalerweise nicht.

 

Manchmal hilft aber auch viel Geduld und Spucke (bzw. ausreichend Gießwasser an heißen Tagen)! Natürlich schadet auch eine länger andauernde Schönwetterperiode im Sommer mit viel Sonne und Wärme nicht und siehe da! Nach 3 Jahren trägt diese Passionsblumenwand 2020 zum allerersten Mal bislang ein paar ganz wenige Minifrüchte. Die größte davon, die wir am 30. August 2020 freudestrahlend entdeckt haben, seht Ihr hier. Sie hat nur in etwa die Größe einer Mirabelle, weshalb es sich sicherlich nicht lohnt, diese wunderschöne Blume nur anzupflanzen, weil man seine eigenen Früchte ernten möchte ;-)

 

Zumal die orange-gelben Früchte der Blauen Passionsblume Passiflora caerulea auch eher eiförmig sind und mit 5 bis 6 Zentimeter auch nicht allzu lang werden. Im Unterschied zur echten Maracuja (Passiflora edulis) schmecken die Früchte von Passiflora caerulea nicht so gut, da sie saurer sind und auch etwas bitter schmecken können. Sie sind zwar essbar, aber kein Genuss! Allerdings gibt es  auch giftige Vertreter unter den über 500 Passiflora-Arten. Da sie sich relativ leicht untereinander kreuzen lassen und man als Laie normalerweise nicht exakt feststellen kann, ob es sich um eine reine oder eine veränderte Sorte handelt, im Zweifelsfalle einfach die Finger von den Früchten lassen ;-)

 

Gefreut hat uns diese Entdeckung trotzdem sehr und bei genauerem Hinsehen, haben sich dann auch noch ein paar noch kleinere Exemplare gefunden, die allerdings auch schon teilweise herabgefallen waren. Ein wunderschöner Insektenmagnet, an dem sich zahllose Insekten und wir vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst erfreuen können, bleibt die Passionsblumenwand trotzdem.

Mini-Maracuja. Frucht an einer winterharten Passionsblumenwand in Hannover Ende August von K.D. Michaelis

Auch Anfang September herrscht immer noch reger Flugverkehr an der Passionsblumenwand und ihren wunderschönen Blüten von K.D. Michaelis

Auch Anfang September herrscht immer noch reger Flugverkehr

an der Passionsblumenwand und ihren wunderschönen Blüten

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