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Schlingknöterich - nicht zu bremsen - weder im Wuchs noch beim Blütenreichtum

Weiße Blüten des Schlingknöterichs von K.D. Michaelis

Der Schlingknöterich (Fallopia aubertii, auch Fallopia baldschuanica oder Polygonum aubertii) stammt ursprünglich aus Tschadschikistan, hat sich jedoch inzwischen auch in Europa etabliert. Er ist eine sowohl für Vögel, als auch für Insekten besonders wertvolle Pflanze, da die in extrem kurzer Zeit schier undurchdringliche grüne Wände schafft und sich zudem durch einen enormen Blütenreichtum auszeichnet, der nicht nur Bienen anlockt.

 

Die wunderschönen, rispenförmig angeordneten Blüten dieser Kletterpflanze erscheinen von Juni bis Oktober und bieten so auch im Spätsommer und Herbst noch ein reiches Nektarangebot für Insekten. Das Pollenangebot des Schlingknöterichs wird als mäßig eingestuft. Die häufigste Blütenfarbe ist weiß. Es gibt den Schlingknöterich aber auch mit gelben oder rosa Blüten.

 

Aus der Nähe betrachtet, erschließt sich die ganze filigrane Schönheit der kleinen Einzelblüten des kletternden Schlingknöterichs.

Nahaufnahme der rispenförmigen, wunderschönen Einzelblüten eines weißen Schlingknöterichs von K.D. Michaelis

Diese Kletterpflanze benötigt eine wirklich stabile Rankhilfe, da sie bereits im ersten Jahr sehr schnell wächst, weshalb man sie auch unbedingt einzeln pflanzen sollte. Mit ihrem starken Wachstum kann eigentlich eh keine andere Pflanze mithalten, weshalb der Schlingknöterich dazu neigt, alle nebenstehenden Pflanzen zu überwuchern. Der Schlingknöterich wächst auch im ersten Jahr bereits mehrere Meter und kann eine Wuchshöhe von 8 bis 15 Metern erreichen und zwischen 4 bis 6 Metern breit werden, weshalb sich kleine Gartenhäuschen, Rosenbögen oder Zäune eher weniger als Pflanzort eignen.

 

Gerade diese Eigenschaft macht den kletternden Schlingknöterich jedoch zum Favoriten, wenn es um das schnelle Begrünen unschöner Häuserfassaden oder auch von Lärmschutzwänden geht. Weshalb diese Kletterpflanze gerne zur Fassadenbegrünung eingesetzt wird und deshalb auch den Spitznamen 'Architektentrost' trägt. Obwohl sie im Herbst ihre Blätter verliert und somit im Winter kahl ist.

 

Grundsätzlich ist der Schlingknöterich eine sehr anspruchslose und - bis auf das Schneiden - auch eine sehr pflegeleichte Pflanze, die zwar Sonne oder Halbschatten bevorzugt, aber notfalls auch im Schatten gedeiht. Außer nach dem Anpflanzen muss diese Kletterpflanze später normalerweise nicht zusätzlich gegossen werden, da ihre Wurzeln tief in die Erde reichen und so normalerweise eine ausreichende Wasserversorgung gegeben ist. An den Boden werden ebenfalls keine besonderen Ansprüche gestellt, weshalb sich eigentlich so gut wie jeder normale Gartenboden für diese Pflanze eignet. Nur Staunässe mag der Schlingknöterich nicht. Dieses Knöterichgewächs ist absolut frostfest und somit natürlich auch winterhart.

 

Seine neuen, oberirdischen Schlingtriebe winden sich mal links und mal rechtsherum und müssen durchaus häufiger entweder ganz gekürzt oder zumindest in Form geschnitten werden. Je nach Alter und Verholzung der Triebe kann hier kann auch schon mal die Heckenschere und nicht nur die Gartenschere Verwendung finden. Da die Wurzeln des Schlingknöterichs bis zu 2 Meter tief in die Erde reichen können, ist es auch bei dieser Art Knöterich sehr schwierig ihn wieder zu entfernen, wenn er sich erst einmal angesiedelt hat, weshalb diese nicht einheimische Art auch oftmals als unerwünschter Neophyt bezeichnet wird. Verboten ist diese Knöterichart jedoch nicht, weshalb man ihn auch im Fachhandel problemlos beziehen kann. Trotzdem sollte man es sich wirklich gut überlegen, bevor man einen Schlingknöterich irgendwo ansiedelt, da diese Entscheidung meist nicht wieder rückgängig gemacht werden kann.


Verbotene Knöterich-Art: der Japan-Knöterich

Es gibt etliche, verschiedene Knöterich-Arten. Eine davon, der Japan-Knöterich (Fallopia japonica, Reynoutria japonica, Polygonum cuspidatum) - auch Japanischer Staudenknöterich, Japanischer Flügelknöterich oder Kamtschatka-Knöterich genannt - ist zwar ebenfalls eine sehr gute Bienenweide, steht in der Schweiz jedoch auf der schwarzen Liste der invasiven Neophyten. In Großbritannien ist er ebenfalls verboten und auch in Deutschland ist das Ausbringen dieser Knöterich-Art nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten.

 

Der Japanische Staudenknöterich bildet weitverzeigte, unterirdische Rhizome, aus denen im Frühjahr neue Pflanzentriebe wachsen, wodurch sich die Pflanze sehr schnell ausbreitet. Bei günstigen Standortvoraussetzungen kann das Pflanzenwachstum enorme 10 bis 30 Zentimeter pro Tag erreichen. Da die Rhizome im Laufe der Jahre immer mehr verholzen, ist ein Entfernen oftmals unmöglich, da diese Ausläufer sehr bruchanfällig sind und ähnlich wie Glas zersplittern. Wobei auch kleinste, verbleibende Wurzelteile wieder neu austreiben.

 

Selbst dicke Mauern, Rohre oder Asphalt stellen für die oft meterlangen Rhizome kein Hinternis dar. Sie wachsen einfach hindurch. Das liegt daran, dass diese Knöterichart in Japan ursprünglich an Vulkanhängen vorkommt und sich an die dort herrschenden, extrem schwierigen Bodenverhältnisse angepasst hat.


Schlangen- oder Wiesenknöterich

Ein eher niedriger Bodendecker aus der Knöterich-Familie. Von alters her als Viehfutter, Wildgemüse und als Heilpflanze genutzt: der Schlangenknöterich oder auch Wiesenknöterich.

 

Ebenfalls eine phantastische Wildbienen-Weide und eine wichtige Nahrungspflanze für verschiedene, heimische Schmetterlingsraupen, wie den Blauschillernden Feuerfalter und den Randring-Perlmutterfalter.

 

Er mag es gerne feucht und kühl.

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