Unterschiede zwischen Weißer Taubnessel und Brennnessel

Blühende Weiße Taubnessel mit weißen Blüten und grünen Blättern im Sonnenschein von K.D. Michaelis
Nahaufnahme der blühenden Weißen Taubnessel mit weißen Blüten und grünen Blättern im Sonnenschein von K.D. Michaelis

Meine beiden Bilder zeigen blühende Weiße Taubnesseln, die es sich unter großen Bäumen gemütlich gemacht haben und so nur zwischendurch mal für kurze Zeit richtig in der Sonne leuchten. Weitere gebräuchliche Namen für diese recht große Taubnessel sind Blumennessel, Honigblume oder auch Tote Nessel.

 

Warum verwechselt man Taubnesseln und Brennnesseln eigentlich so leicht, obwohl sie gar nicht verwandt sind? Das ist ganz einfach. Ihre Blätter sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Das gilt im übrigen auch für die Purpurrote Taubnessel und die Gefleckte Taubnessel.  


Die Brennnessel

Gewöhnliche Brennnessel  im Halbschatten unter Büschen von K.D. Michaelis

Dieses Bild zeigt eine Gewöhnliche Brennnessel. Wenn man es durch Anklicken vergrößert, kann man die Brennhaare sowohl am Stängel, als auch am hochgewölbten Blattrand erkennen, die das unangenehme Brennen und Jucken beim Hautkontakt mit der Brennnessel verursachen. Bei den Blättern sitzen die Brennhaare an der Blattunterseite.


Am einfachsten kann man Brennnessel und Taubnesseln anhand ihrer Blüten unterscheiden

Eine Möglichkeit, die das ganze Jahr über funktioniert, ist natürlich das Fehlen der Brennhaare bei den Taubnessel-Arten. Denn diese besitzen im Gegensatz zur Brennnessel keinerlei Brennhaare. Allerdings riskiert man bei einer Verwechslung natürlich auch ein schmerzhaftes Brennen.

 

Im Frühling gehts es auch deutlich risikoloser - denn man kann diese beiden Pflanzen sehr leicht anhand ihrer Blüten auseinanderhalten. Zum einen unterscheiden sich schon die Blühzeiträume, aber vor allem die Blütenform. Die meisten Taubnesseln blühen bereits im April und tun dies bis in den Oktober hinein. Brennnesselnblüten erscheinen - bis auf eine Ausnahme - erst deutlich später im Jahr:

  • Große Brennnessel Juni bis Oktober
  • Kleine Brennnessel Ende Juni bis Oktober
  • Röhricht- oder Sumpf-Brennnessel Juli bis August
  • nur die Pillen-Brennnessel blüht ähnlich früh wie die Taubnesseln von April bis Oktober.
Nahaufnahmen der Blüten und Blätter der Purpurroten Taubnessel und der Weißen Taubnessel im Sonnenschein von K.D. Michaelis

Taubnesseln gehören zur Gattung der Lippenblütler, weshalb sie auch ebensolche, schönen und auffälligen Blütenformen zeigen, wie man auf diesen beiden Bildern sehr schön sehen kann.

 

Das obere Foto zeigt eine Purpurrote Taubnessel, die übrigens wegen der oberen, purpurfarbenen Blätter und nicht wegen der Blütenfarbe so heißt.

Das untere Bild ist eine Nahaufnahme der recht großen, weißen Blüten der Weißen Taubnessel.

 

Brennnesseln sind eine eigene Gattung (Urtica) und besitzen nur ganz unscheinbare, rispenartig hängende, kleine, gelbgrüne oder  gelbbräunliche Blütenstände, die von uns meist gar nicht als Blüten wahrgenommen werden.

 

Sieht man also auffällige weiße, pink- oder rosalilafarbene, lippenartige Blüten an den Pflanzen ist dies mit absoluter Sicherheit keine Brennnessel, sondern eine Taubnessel.


Die Weiße Taubnessel - ein Insektenmagnet

Die Weiße Taubnessel ist mehrjährig und winterhart. Zudem ist sie nicht giftig. Sie bevorzugt einen halbschattigen bis schattigen Standort, an dem sie während ihrer Blütezeit von Ende April bis in den Oktober hinein ein Magnet für viele Insekten, wie Bienen und auch Schmetterlinge ist.

 

Nach der Blüte bilden sich bei der Weißen Taubnessel im Oktober kleine Früchte, welche die Samen der Pflanze beinhalten. Jeder Samen hat am Ende ein dunkles, nährstoffreiches Anhängsel - das so genannte Elaisom. Dieses sorgt dafür, dass sich ganz speziell Ameisen sehr gerne um die Verbreitung der Taubnesselsamen kümmern. Auch die Purpurrote Taubnessel ködert mit diesen Samenfortsätzen Ameisen, allerdings - im Gegensatz zur Weißen Taubnessel - gleich 3- oder 4-mal pro Jahr, da sie als einjährige Pflanze sehr schnellwüchsig ist und meist nur wenige Wochen vom Keimen bis zur Samenreife benötigt.


Diese relativ anspruchslosen Taubnesseln lassen sich sogar im Blumenkasten oder -Kübel kultivieren. Diese sollten dann aber ebenfalls nicht sonnig stehen, sondern lieber nach Westen oder Norden ausgerichtet sein. Da die Pflanzen einen relativ hohen Nährstoffbedarf hat, der in Pflanzgefäßen natürlich noch höher ist, freut sie sich dort ggfs. über etwas flüssigen Kräuterdünger alle paar Monate.


Die Purpurrote Taubnessel ist mit 15 bis etwa 45 Zentimeter deutlich kleiner als die Weiße Taubnessel, die zwischen 20 bis 70 Zentimeter hoch werden kann. Diese beiden sind denn dann auch tatsächlich miteinander verwandt, denn beide gehören zur Gattung der Taubnesseln. Beide zählen zu den typischen, einheimischen, essbaren Wildpflanzen. So kann man aus den - bevorzugt jungen - Blättern der Purporroten und der Weißen Taubnessel zum Beispiel eine Art Spinat, Pesto oder auch einen Wildkräutersalat zubereiten. Die Blüten sind ebenfalls essbar und besitzen einen angenehm süßlichen Geschmack.

Durch den frühen Blühbeginn und die enorm lange Blütezeit, die sogar bis in den Winter hineinreichen kann, ist dieses einheimische Blühwunder nicht nur bei den bereits sehr zeitig im Jahr fliegenden Hummelköniginnen, sondern auch noch bei vielen anderen wilden Bienen- und Schmetterlingsarten überaus beliebt.
   

Auf dieser Wiese mit ihren vielen Taubnesseln waren auf wenigen Zentimetern gleich verschiedene Hummelarten zu finden.

  

Aus der weißen Taubnesselblüte guckt ein properer Hummelpopo hervor von K.D. Michaelis
Hummelkönigin an der Hummeltankstelle - einer weißen Taubnessel von K.D. Michaelis

Obwohl die Purpurrote und auch die Weiße Taubnessel eine eher mäßige Nektar- und Pollenmenge (Nektar 2 / Pollen 1) anbieten, besitzen sie für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge & Co. eine hohe Anziehungskraft, weils es nur ganz wenige so zuverlässige Langzeitblüher gibt, die zudem noch so früh im Jahr Nahrung spenden.


Lamium maculatum - die besonders hübsche Gefleckte Taubnessel bietet mehr Nektar und Pollen - für beides wird jeweils ein (guter) Wert 3 angegeben. Wobei die gefleckte Variante ebenfalls im April zu blühen beginnt - sich ihr Blühzeitraum aber sogar bis in den November hinein erstrecken kann.


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