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Efeu - immergrüner Kletterkünstler mit einem Herz für Insekten

Nahaufnahme des kugeligen, gelbgrünlichen Blütenstandes eines gewöhnlichen Efeus von K.D. Michaelis
Alter, gelbgrün blühender Efeu in einer Robinie/Scheinakazie von K.D. Michaelis
Nahaufnahme von Efeublüten mit einer Nektar trinkenden Wespe darauf von K.D. Michaelis

  • Links ist die gelbgrüne Blüte eines gewöhnlichen Efeus im Detail zu sehen.
  • Das mittlere Bild zeigt einen alten, in voller Blüte stehenden Efeu, der schon so hoch und dicht geworden ist, dass von seinem 'Rankgerüst' - einer Robinie (Scheinakazie) zumindest im untereren Bereich des Baumes nicht mehr viel zu sehen ist. Trotzdem geht es der Kletterhilfe des Efeus nach wie vor gut.
  • Auf der rechten Nahaufnahme stärkt sich gerade eine Wespe am reichen Nahrungsangebot der Efeublüten

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Wir verwenden umgangssprachlich meist nur die Kurzform Efeu (für den Gemeinen oder Gewöhnlichen Efeu - Hedera helix) für dieses immergrüne Klettergehölz, das natürlich zur Gattung Efeu (Hedera) gehört. Manchmal wird Efeu auch Baumwinde genannt, was sicherlich daran liegt, dass der Efeu wirklich gerne an Baumstämmen emporrankt und diese ebenso als Klettergerüst benutzt, wie er das auch mit Hauswänden oder jeder anderen Art von Rankhilfe tut. Dabei kriechen seine Sprossen solange niedrig am Boden entlang, bis sie eine geeignete Aufstiegsmöglichkeit in luftige Höhen finden. Weshalb sich Efeu auch als Bodendecker oder Grabbepflanzung einsetzen lässt - wenn man ihn rechtzeitig stutzt, bevor er einen Zaun, eine Mauer oder einen Grabstein erreicht.

 

In der Senkrechten hält er sich mit so genannten Haftwurzeln am Untergrund fest, mit deren Hilfe er ganz locker 20 oder 30 Meter hoch werden kann. So sind Zäune, Mauern und Fassaden oftmals mittels Efeu begrünt. Wenn der Untergrund etwas aufgeraut ist, benötigt Hedera dafür noch nicht einmal eine Rankhilfe.


Vor- und Nachteile einer Fassadenbegrünung mit Efeu

So kann eine Hausfassade durch den Efeu gegen Witterungseinflüsse, wie Regen und Schnee geschützt werden. Zudem wirkt diese grüne Isolierung als Wärmedämmung im Winter und als Schutz vor zu starker Aufheizung der Fassadenwände im Sommer, was zu einem angenehmeren Klima das ganze Jahr über führt. Inzwischen sind auch Städteplaner von den Vorteilen vertikaler Grünflächen überzeugt, da diese grünen Wände in der Lage sind, die Umweltbedingungen für alle Bewohner zu verbessern, indem sie nicht nur temperaturregulierend, sondern auch luftverbessernd wirken. So ist auch Efeu in der Lage, eine ganze Reihe von Schadstoffen aus der Luft herauszufiltern.

 

Für alte Gebäude, deren Mauerwerk bereits von Rissen und Spalten gezeichnet ist, eignet sich eine solche Fassadenbegrünung jedoch nicht, da die Haftwurzeln des Efeus in diese eindringen würden und durch ihr Wachstum im Laufe des Jahre dann tatsächlich das Mauerwerk an diesen Stellen aufsprengen und beschädigen könnten. Außerdem entwickelt Efeu ein ziemliches Gewicht, da er nur relativ wenige eigene, verholzte Pflanzenteile besitzt, womit er die Hauptlast seiner Blätter und Triebe dem Wirtsbaum oder dem Gebäude aufbürdet. Dies ist auch einer der Gründe, warum auch bei neuen Gebäuden mit zusätzlicher, äußerer Wärmedämmung oder anderen an den Außenmauern angebrachten Elementen von einer Begrünung mit Efeu abgeraten wird.

Efeu ist recht langlebig - wenn man ihn lässt und kann durchaus ein Alter von über 500 Jahren erreichen. Da verwundert es dann auch nicht, dass er frühestens im Alter von acht bis zehn Jahren 'erwachsen' ist und zu blühen beginnt. Die ersten Blüten erscheinen oftmals schon im August, wobei die Blütezeit bis Oktober geht. Da sich Efeu nicht selbst bestäuben kann, lockt er eine Vielzahl von Insekten, wie Bienen, Schwebfliegen, Wespen und Schmetterlinge an, die diese Aufgabe gerne für ihn übernehmen. Ihr Lohn ist ein großes Pollenangebot und sehr viel Blütennektar, der so spät im Jahr äußerst willkommen ist. Da beides jetzt nur noch an sehr wenigen anderen Pflanzen zu finden ist.

 

Aus den kleinen, gelbgrünen, kugeligen Blüten, die uns oftmals gar nicht wirklich auffallen, entstehen im Januar bis April dunkelblaue bis grün-schwarze Beeren, die als Winterfutter bei Vögeln sehr beliebt sind. So schauen beispielsweise sowohl das Rotkehlchen, als auch der Gartenrotschwanz, die Mönchsgrasmücke, Amsel, Drossel oder Star gerne in diesem Gartenrestaurant vorbei.

 

Für Menschen hingegen gelten alle Teile des Efeus (zumindest) als (schwach) giftig. Da es dabei bekanntlich aber immer auf die Dosis ankommt, findet sich der Extrakt aus Efeublättern in geringer Menge in Arzneimitteln gegen Reizhusten oder Bronchialerkrankungen. Das erklärt denn dann auch, weshalb der eigentlich als giftig eingestufte Efeu trotzdem zur Arzneipflanze des Jahres 2010 gekürt werden konnte, obwohl er in großer Menge durchaus die Schleimhäute reizen kann.

 

Die bei uns heimische Pflanze ist jedoch nicht überall gerne gesehen. Als unerwünschtes Kolonialerbe haben ihn Nordamerika, Kanada, Australien und Neuseeland als invasiven Neophyt eingestuft und unterschiedliche Bekämpfungsmaßnahmen ergriffen.

 

Da Efeu einen ausgeprägten Verbreitungsdrang hat, muss man diesem natürlich hin und wieder Einhalt gebieten. Die beste Zeit dafür ist das zeitige Frühjahr, da er kurz darauf von Vögeln gerne als Nistplatz genutzt wird. Nicht verschweigen sollte man jedoch auch, dass sich Efeu nur sehr schwer wieder komplett entfernen lässt, wenn er sich erst einmal angesiedelt hat.

 

Weshalb er von so manchem Gärtner auch als Alptraum eingestuft wird. Was übrigens auch für seine Eigenschaft gilt, dass sich neben Insekten und Vögeln vor allem auch Spinnen und andere Kleintiere gerne in seinem Gewirr aus Trieben und Blättern verstecken. Wer unter einer Spinnenphobie leidet, sollte also tunlichst darauf verzichten, seine Hausfassade mit Efeu zu begrünen, da dieser normalerweise so stark wuchert, dass selbst die Fenster ab und an freigeschnitten werden müssen, weshalb natürlich auch die ungeliebten Tierchen ganz problemlos den Weg durch das gekippte oder geöffnete Fenster ins Innere der Wohnräume finden.

 

Gelb-grüne Blätter und die grünen, kugelförmigen Blütenstände des buntlaubigen kolchischen Efeus. Bild K.D. Michaelis
Nahaufnahme der grünen Blätter und der gelblichweißen Blütenstände eines gewöhnlichen Efeus von K.D. Michaelis

  • Linkes Bild: riesige gelb-grüne Blätter und die grünen, kugeligen Blütenstände eines Buntlaubigen Kolchischen Efeus (Hedera colchica 'Dentata Variegata'). Diese Efeuart wird bis zu 6 m hoch. Die herzförmigen Blätter können bis zu 15 cm lang werden. Sie sind in der Mitte dunkelgrün und haben einen cremefarbenen bis gelben Rand. Manche Blätter sind auch ganz gelb.
  • Rechtes Bild: die deutlich kleineren grünen Blätter und die gelblich-weißen Blütenstände eines Gewöhnlichen Efeus.

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Standortansprüche des Efeus

Die allermeisten Efeu-Arten sind bei uns problemlos winterhart. Es gibt aber auch wärmeliebende Ausnahmen, die häufiger bei den buntlaubigen Arten zu finden sind, von denen nicht alle winterhart sind. Außerdem gibt es einige Sorten, wie beispielsweise die Efeutute, die als Zimmerpflanzen kultiviert werden.

 

Absonnig, Halbschatten und Schatten ist für fast alle Sorten der bevorzugte Standort. Direkte Sonne verträgt diese robuste Kletterpflanze nur bedingt. Efeu ist insgesamt eine relativ anspruchslose Pflanze. Wer ihr etwas Gutes tun will, sorgt für einen lockeren, humusreichen Boden, der mäßig trocken bis leicht feucht sein kann.


Selbstgemachtes Efeu-Spülmittel und Efeu-Waschmittel

Efeublätter enthalten Seifenstoffe, so genannte Saponine, aus denen sich ein Bio-Waschmittel oder auch ein Bio-Spülmittel zum Abwaschen von Geschirr selbst herstellen lässt. So ein Bio-Waschmittel kann man beispielsweise auch aus Rosskastanien herstellen. Allerdings pieksen Efeublätter deutlich weniger ;-) und sie sind das ganze Jahr über in großer Menge frisch verfügbar.

 

Allerdings ist dieses selbstgemachte, biologische Putzmittel nicht haltbar und sollte deshalb sofort verbraucht werden, da sich anderenfalls schnell Keime bilden könnten. Außerdem ist Efeu - wie oben bereits erwähnt - giftig, weshalb auch dieses Waschmittel unbedingt für Kinder unzugänglich aufbewahrt werden sollte.

 

Im Netz finden sich verschiedene Anleitungen, um so ein Efeu-Reinigungsmittel selbst herzustellen. Siehe hierzu beispielsweise den Beitrag von 'Mein schöner Garten'.

 

Ob an der Behauptung, dass man mit so einem selbstgemachten Efeu-Waschmittel seine Waschmaschine schädigen kann (wie hin und wieder mal zu lesen ist), etwas Wahres dran ist, kann ich nicht sagen, da ich dies selbst nie ausprobiert habe. Aber genau aus diesem Grund, sollte auch eben diese Kritik oder Warnung nicht unerwähnt bleiben.


Eine andere, anspruchslose Kletterpflanze, die sich prima zur Fassaden- oder Zaunbegrünung einsetzen lässt und zudem mit einer dramatisch-schönen Herbstfärbung aufwarten kann, ist der Wilde Wein. Auch er liefert als wahre Insektenweide viel Nektar und später reife Beeren als Vogelfutter sowie - aufgrund seines dichten Laubvorhanges - perfekte Nist- und Brutmöglichkeiten für Vögel und andere Kleintiere. Eine Kombination beider Kletterpflanzen in einem Garten ist fast schon eine Rundum-Versorgung für Bienen, Hummel, Schmetterlinge und Vögel, da diese zwei Pflanzen ganz unterschiedliche Blühzeiten aufweisen und somit auch ihre Früchte zu einer anderen Jahreszeit reif sind.

Wilder Wein im bunten Herbstblatt-Gewand von K.D. Michaelis

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