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Stechpalme / Ilex: giftig, stachelig und besonders wertvoll

Ledrige, glänzende Blätter und in der Herbstsonne knallrot leuchtene Beeren der Europäischen Stechpalme (Ilex aquifolium) von K.D. Michaelis
Ledrige, glänzende Blätter und in der Herbstsonne knallrot leuchtene Beeren der Europäischen Stechpalme (Ilex aquifolium) von K.D. Michaelis

Die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium) wird auch Gewöhnliche oder Gemeine Stechpalme bzw. umgangssprachlich auch einfach nur Ilex oder Stechpalme genannt. Weitere Begrifflichkeiten für diese Pflanze sind: Hülsen (Hülsdorn, Stechhülsen), Hulst, Winterbeeren, Christdorn oder (in Österreich) auch Schradler.


Weltweit geht man von 400 bis 600 verschiedenen Ilex-Arten aus, die meist recht gut winterhart sind. Einige können bis zu 25 Meter hoch werden können. Die Europäische Stechpalme wird meist zwischen von 2 bis 5 Metern hoch. An einem perfekten Standort können es aber auch mal 10 bis 15 Meter werden. Da die Ilex sehr gut schnittverträglich ist, kann man sie aber auch wesentlich kleiner halten. Sie wirkt sowohl als Einzelpflanze, man kann aber auch ganze Hecken mit ihr anlegen. Ilex wird auch gerne als Formschnitt-Gehölz verwendet, auch wenn die meisten Arten eher langsam wachsen. Die immergrünen Blätter bilden auch im Winter einen zuverlässig blickdichten Sichtschutz.
  

Welcher Standort eignet sich für Stechpalmen?

Ein Sonnenanbeter ist die Ilex nicht. Gerade im Winter verursacht direkte Sonneneinstrahlung über eine längere Zeit Trockenheitsschäden an den Blättern, die dann Feuchtigkeit verdunsten, obwohl aus dem gefrorenen Boden keine Feuchtigkeit zugeführt bzw. der Feuchtigkeitsverlust nicht ersetzt werden kann.

 

Der Standort kann hell (ohne direkte Sonne), aber auch halbschattig sein. Man kann Stechpalmen aber auch sehr gut an extrem schattige Plätze pflanzen, die ansonsten für die meisten anderen Sträucher oder Bäume nicht geeignet wären. Der Stechpalme macht das nichts aus.

Saurer, humusreicher Boden ist ein guter Untergrund für Stechpalmen.

  

Ist Ilex / die Stechpalme giftig?

Alle Teile der Stechpalme / Ilex sind hoch giftig. Für einen Garten, in dem Kinder und Haustiere herumtollen, eignet sich die Ilex nicht, da gerade ihre leuchtendroten Früchte durchaus verlockend aussehen, aber sowohl für Menschen, als auch für Haustiere sehr giftig sind. Bei Kleinkindern reichen wenige Früchte, um zum Tod zu führen. Zwei Beeren führen bei Erwachsenen bereits zu einer Vergiftung. Je nach Größe der Hunderasse gelten schon zwei bis drei Beeren als potentiell tödliche Dosis.

  

Ilex-Blätter sehen auch an einer Pflanze unterschiedlich aus

Grundsätzlich kann man sagen, dass je weiter oben am Strauch oder Baum die Blätter der Stechpalme positioniert sind, umso weniger Stacheln besitzen sie. Da die Stacheln als Fraßschutz dienen und folglich weiter oben unnötig sind. Auch wenn man sich dies eigentlich nur schwer vorstellen kann, so fressen einige Tiere diese wirklich stacheligen Blätter, wenn in harten Wintern anderes Futter nur noch schwer zu erreichen oder gar nicht mehr verfügbar ist. Zwar finden sich Stechpalmen meist in unseren Gärten, es gibt sich aber auch wildwachsend - zum Beispiel an Waldrändern.

  

Insekten und Vögel hingegen lieben Ilex-Beeren

Obwohl die Beeren der Stechpalmen für Menschen und Hunde sehr giftig sind, stellen sie für Vögel ein äußerst begehrtes Winterfutter dar. Unsere gefiederten Gartenbesucher (wie zum Beispiel: Amseln, Drosseln, Rotkehlchen und Mönchsgrasmücken) müssen lediglich solange warten, bis die Ilex-Beeren ein paar Mal dem Frost ausgesetzt waren, damit sie weich genug werden, um von den Vögeln gefressen werden zu können, denen die Giftstoffe darin offenbar nichts ausmachen. Da die Beeren in der Winterkälte nicht verderben und normalerweise auch nicht herabfallen, stellen sie eine gute und lange verfügbare Nahrungsquelle dar.

 

Die bei uns vorkommende, immergrüne Stechpalme ist im Winter auch ein beliebter Schlafplatz  und Brutplatz für kleinere Vögel und dient dem Zitronenfalter (ähnlich wie auch der immergrüne Efeu) als Überwinterungsquartier.
     

Ilex, Bienchen und Blümchen

Die Europäische Stechpalme ist eine der ganz wenigen bei uns heimisch gewordenen Laubbaumarten, die wintergrün bzw. immergrün ist und ihre Blätter nicht abwirft. Fast alle Ilex-Arten sind zweihäusig - also getrenntgeschlechtig. Das bedeutet, es gibt Pflanzen, die nur männliche Blüten und solche, die nur weibliche Blüten tragen. Die Blüten selbst sind recht unscheinbar und normalerweise weiß oder weiß/grün. Ihre Blütezeit liegt im Mai und Juni. Bienen und Hummeln besuchen sie sehr gerne und sorgen so für die notwendige Befruchtung. Für die Bildung der Steinfrüchte werden - neben den Insekten - also mindestens eine weibliche und eine männliche Pflanze benötigt. Die roten, kugeligen Früchte der Europäischen Stechpalme sind ab Oktober reif.

  

Besondere Ilex-Sorten - z.B. ohne Stacheln?

  • Eine der ganz wenigen einhäusigen Ilex-Sorten, die selbstbefruchtend ist und somit auch alleine gepflanzt werden kann, ist beispielsweise die 'J. C. van Tol'.
      
  • Die Japanische Stechpalme Ilex crenata ist gut winterhart, wächst eher strauchartig  und wird gerne als Buchsbaumersatz verwendet, da ihr der Buchsbaumzünsler nichts anhaben haben und sie zudem nicht anfällig für Pilzerkrankungen ist. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ilex-Arten sind ihre immergrünen Blätter klein und oval und besitzen keine Stacheln. Damit  sehen sich einem Buchsbaum auch rein äußerlich schon sehr ähnlich. Ihre weiß-grünen Blüten erscheinen von Mai bis Juni - die schwarzen Beeren im Sommer.
      
  • Die Sorten 'Madame Briot' und 'Rubricaulis Aurea' besitzen eine hübsche, gelbe Blattumrandung. Wobei die buntlaubigen Ilex etwas mehr Licht brauchen und auch als etwas kälteempfindlicher gelten, als jene mit einfarbig grünen Blättern.
      
  • Die Amerikanische Winterbeere (Ilex verticillata) ist eine der ganz wenigen Ilex-Arten, die nicht wintergrün ist und folglich ihre Blätter im Herbst verliert. Während der Winterperiode trägt sie dann nur ihre roten Früchte. Allerdings gibt es diese Art bei uns im Freiland normalerweise nicht. Hierzulande findet man sie aber häufig im Blumenladen und beim Floristik-Zubehör.
      
  • Am bekanntesten und auch für viele Weihnachtsdekorationen oder Türkränze genutzt sind die verschiedenen Arten mit leuchtend roten Beeren, wie zum Beispiel Ilex aquifolium 'Alaska', deren glänzend grüne, stachelige Blätter einen tollen Kontrast zu den knallroten Früchten bilden. Wie der Name schon vermuten lässt, ist diese Ilex-Sorte sehr gut winterhart und deshalb oft in unseren Gärten zu finden.
      
  • Ilex aquifolium 'Silver Queen' besitzt ebenfalls rote Beeren, dazu aber auch noch besonders hübsches Laub, da die grünen Blätter dieser Sorte auch noch einen hübschen, weißen Rand besitzen.
      
  • Die meisten Ilex-Früchte sind rot. Es gibt daneben aber auch Ilex-Züchtungen, die gelbe, braune oder schwarze Steinfrüchte oder sogar grün bleibende Beeren bilden (zum Beispiel Ilex chapaensis) oder auch solche, die gar keine Beeren tragen.
    Ilex aquifolium ‘Bacciflava’ ist eine der wenigen Ilex-Arten, die gelbe Früchte hervorbringt.
    Die männliche Form der Ilex Meserveae Heckenpracht oder einfach Stechpalme Heckenpracht genannt, ist eine Stechpalme, die keine Beeren bildet.

Was ist der Unterschied zwischen Ilex und Mahonie?

Gewöhnliche oder Stechdornblättrige Mahonie mit ihren blauen Beeren (rot markiert) von K.D. Michaelis

Die Gewöhnliche oder Stechdornblättrige Mahonie hat blaue Beeren und sieht einer Stechpalme durchaus ähnlich. Auch ihre eher ledrigen Blätter sind glänzend dunkelgrün und besitzen ebenfalls Stacheln - genau wie man dies von der Ilex kennt. Die auffällig leuchtendgelben Blüten erscheinen von März bis Juni. Obwohl auch fast alle Teile der Mahonie giftig sind, sind ihre vitamin-c-haltigen blauen Beeren dies nicht und man kann sogar Marmelade aus ihnen kochen. Die etwa erbsengroßen Früchte sind ein wenig oval, ähnlich wie Trauben und sind im August / September reif. Ihr dunkelroter Saft ist ziemlich sauer, aber essbar. Gelbe Blüten und eher etwas längliche, blaue Früchte gibt es bei den verschiedenen Ilex-Arten nicht.

 

Gewöhnliche oder Stechdornblättrige Mahonie mit ihren blauen Beeren (rot markiert) von K.D. Michaelis

Da die Mahonie ebenfalls gerne im Halbschatten oder Schatten gedeiht und auch sonst ganz ähnliche Standortansprüche wie die Ilex hat, wird sie von manchen Gärtner bevorzugt. Besonders dann, wenn ein Garten sowohl von Kindern, als auch von Haustieren genutzt werden soll, ist die Mahonie mit ihren ungiftigen, blauen Beeren eine gute Alternative zu den meist roten und sehr giftigen Beeren der Ilex.

 


Glänzend grüne Blätter und zahlreiche knallrot in der Herbstsonne leuchtende Beeren einer Stechpalme / Ilex von K.D. Michaelis

Diese Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium) ist mehr als 2,5 Meter hoch und damit ein durchaus schon etwas älteres Exemplar.

 

Ihre glänzend grünen Blätter und die zahlreichen, knallrot leuchtenden Beeren sehen an einem sonnigen Herbsttag mitten in Hannover ganz besonders schön aus.

 

Naturschutz und Baum des Jahres 2021: Ilex

In Deutschland steht Ilex unter Naturschutz, auch wenn er mancherorts häufig ist. Der historische Hintergrund ist das früher weit verbreitete Plündern der Bestände im Winter. Wobei oftmals die weiblichen Pflanzen mit ihren schönen roten Beeren bevorzugt abgeschnitten wurden, da sie sich auch in der Wohnung lange frischhalten - ohne zu verwelken. Das hat die Vermehrung der Europäischen Stechpalme schließlich stark beeinträchtigt, da eine solche ohne weibliche Pflanzen nicht möglich ist.


Denn sowohl als schmückendes Grün zur Adventszeit, als auch als Glücks- oder Liebessymbol, zum Schutz gegen das Böse oder auch als Palmwedel-Ersatz in der Kirche - die Stechpalme wurde aus ganz unterschiedlichen Gründen abgeholzt. Ihr Holz ist sehr hart und findet deshalb auch als besonders haltbarer Werkzeugstiel, Spazierstock oder als Furnierholz Verwendung.

 

Nicht zuletzt aufgrund ihrer Bedeutung für Insekten, Schmetterlinge und Vögel wurde die Stechpalme/Ilex zum Baum des Jahres 2021 gewählt. Vielleicht findet sie durch den höheren Bekanntheitsgrad künftig ja auch mehr Verwendung in naturnahen Gärten und Vogelschutzhecken - auch wenn man sich an ihr natürlich richtig pieksen kann und man mit ihren Beeren vorsichtig sein muss.

  

Kann man aus Ilex-Blättern Tee machen?

Guayusa-Tee

Unter den Hunderten von verschiedenen Ilex-Arten gibt es auch eine einzige Sorte, deren Blätter die Grundlage für den Guayusatee bilden. Ilex guayusa stammt aus Südamerika (Ecuador) und kommt hierzulande nicht vor. Wobei es sich dabei strenggenommen gar nicht um eine Teepflanze, sondern um einen Baum handelt, aus dessen Blättern ein teeartiges Aufgussgetränk hergestellt wird.

 

Die Blätter des bei uns heimischen Ilex aquifolium sind giftig und dürfen unter keinen Umständen als Tee zubereitet werden!

  


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