Kastanien erfreuen Insekten und Menschen

Blutrote Blüten der Rotblühenden Roßkastanie

Tolle Bienenweide/Insektenweide + Winterfutter für Rehe/Hirsche

Ein wunderschöner Anblick, an dem wir uns auch in der Stadt oftmals erfreuen können sind die auffälligen Blüten der Rotblühenden Rosskastanie (Aesculus x carnea), die sich mit ihrem schmaleren Wuchs gut zur Begrünung von Plätzen, Straßen und Parks eignet. Zwar werden auch diese Blüten gerne von Insekten besucht und sowohl von diesen, als auch vom Wind bestäubt, trotzdem sind sie nicht der Lieferant für unseren Edelkastanien-Honig.

 

Die Blutrote Rosskastanie bildet - im Gegensatz zu anderen Rosskastanien-Arten - meist nur sehr wenige, fast stachellose Früchte, die für uns nicht essbar sind. Ebenfalls ein Vorteil, wenn der Baum in dicht bewohntem Gebiet steht. So sind Spaziergänger und Anwohner oder die darunter parkenden Autos kaum der Gefahr ausgesetzt, durch herabfallende Früchte getroffen oder gar verletzt bzw. beschädigt zu werden.

 

Generell eignen sich die Früchte aller Rosskastanien-Arten aber beispielsweise sehr gut als Winterfutter für Wildschweine, Rehe und Hirsche, weshalb es vielerorts spezielle Sammelstellen für Roßkastanien gibt, wo man diese im Herbst abgeben kann.

 

Die Blütezeit der Rosskastanie liegt ab Anfang/Mitte Mai bis Juni und bietet mit ihren großen, blutroten Blütenständen und ihrem sattgrünen Frühlingslaub vor einem weiß-blauen Himmel einen wahren Farbenrausch, dessen Schönheit sich kaum jemand entziehen kann.

  

Nektarwert und Pollenwert der Rosskastanie / Rosskastanienhonig

Die Rosskastanie honigt sehr gut, steht aber in unseren Breiten in direkter Konkurrenz zum Raps und zur Apfelblüte. Da der Blühzeitraum der Rosskastanie sehr kurz ist und zeitgleich andere. gernbesuchte Frühblüher vorhanden sind, werden diese von den Bienen meist bevorzugt. Je nach Lage der Bienenstände kann Rosskastanienhonig jedoch durchaus Bestandteil des Frühlingsblütenhonigs sein und diesem - ursprünglich ja sehr milden Honig - eine etwas intensivere, herbere Geschmacksnuance verleihen. Reinen Rosskastanienhonig erntet meines Wissens nach kein Imker absichtlich, da dieser extrem herb - um nicht zu sagen ekelhaft - schmeckt, weshalb er glücklicherweise auch weder auf dem Wochenmarkt, noch im Supermarkt-Regal zu finden ist.

 

Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) bietet einen Nektarwert 3 und einen Pollenwert 3, womit sie ein sehr guter Pollen- und Nektarlieferant ist (Höchstwert der Skala ist 4, der aber nur sehr selten vergeben wird). Auch Honigtau ist möglich. Eine der ganz wenigen Blühpflanzen mit dem Höchstwert von 4 ist die Phacelia.


Weiße Rosskastanien-Blüten leuchten im Sonnenschein

Sehr gute Insektenfutterpflanze + Winterfutter für Schwarz- und Rehwild

Nach einem richtig kräftigen Sturm über Hannover im April 2022 ist dieser riesige Ast/Seitenarm einer alten Kastanie abgebrochen.

 

Zum Glück fiel er nur auf einen wirklich stabilen, eisernen Zaun, den er jedoch komplett zerdrückt hat, weshalb das vordere Ende auch schon abgeschnitten ist, da dieser Ast den sehr breiten Fußweg komplett blockiert hatte.

 

Wobei mir persönlich die wunderschöne Farbschattierung im Inneren des Kastanienholzes ausgesprochen gut gefällt, weshalb ich diese Bilder auch aufgenommen hatte. Das Bild direkt davor zeigt diese schöne alte Rosskastanie von der anderen Seite. Keine 4 Wochen später mit ihren hübschen, weißen Blüten.


Unterschiede zwischen Rosskastanie und Esskastanie

Die Blütezeit von Rosskastanie und Esskastanie

  • Die Blütezeit der Rosskastanie liegt von Anfang/Mitte Mai bis Juni.
  • Die Esskastanie blüht hingegen im Juni und Juli.

Die Blätter von Rosskastanie und Esskastanie

Es gibt ein paar Unterschiede zwischen diesen beiden Kastanienarten, die im übrigen tatsächlich nicht miteinander verwandt sind.

 

Am einfachsten kann man Rosskastanie (Roßkastanie) und Esskastanie (Edelkastanie) wohl anhand ihrer Blätter auseinanderhalten.

 

Hier eine weiß blühende Rosskastanie im Mai.

Herbstfärbung mit noch grünen, bereits gelben und hellbraunen sowie dunkelbraunen Stellen auf den Blättern einer Rosskastanie. Bild K.D. Michaelis

Die Blätter der Rosskastanie sitzen an einem langen Stiel und haben entweder 5 oder 7 Einzelblätter, die fingerartig um den Stiel gruppieren.

 

Zum Ende hin werden die Blätter deutlich breiter, bevor sie eine Spitze bilden. Siehe Bild dieser Roßkastanien-Blätter im September.

Fruchtschalen/Fruchtform von Rosskastanie und Esskastanie

Edelkastanie/Esskastanie Früchte und Blätter. Bild von Juampi69 auf Pixabay zur freien kommerziellen Nutzung.

Bei der Esskastanie / Edelkastanie sitzen die Blätter hingegen alle einzeln direkt am Ast. Dadurch hat jedes Blatt seinen eigenen, sehr kurzen Stiel. Zudem ist das Blatt deutlich schmäler und verbreitert sich nicht gegen Ende hin, wie dies bei der Rosskastanie der Fall ist. Siehe hierzu das nebenstehende Bild einer Esskastanie / Edelkastanie von Juampi69 auf Pixabay.

 

Auf dem Bild ebenfalls sehr gut zu sehen: die Früchte der Esskastanie / Edelkastanie haben sehr viel mehr Stacheln, als dies bei den Rosskastanien der Fall ist. Zudem sind die Stacheln der Esskastanie deutlich weicher und biegsamer.

Die hübsch geaderten Früchte (Kastanien) der Rosskastanie stecken in einer dicken und sehr festen Schale. Diese besitzt sehr viel weniger, aber dafür auch deutlich härtere Stacheln, wie man auf dem nebenstehenden Bild sieht. Im Herbst - meist im September und Oktober - sind die Kastanien reif und fallen in enormer Anzahl von den großen, alten Rosskastanien-Bäumen herab.

  • Die Form der Früchte der Rosskastanie ist eher rund und kugelig - manchmal auch ein wenig birnenförmig.
  • Die leckeren Früchte der Esskastanie / Edelkastanie sind dagegen eher flach und spitz.

Lebensmittel aus Esskastanien / Edelkastanien

Die Edelkastanie (Castanea sativa), auch Esskastanie und Echte Kastanie genannt.

  • Man bekommt die Früchte der Edelkastanie beispielsweise schon fix und fertig geröstet auf Weihnachtsmärkten -  wo sie - je nach Land - als Maronen, Maroni oder Marroni angeboten werden.
  • Die rotbraun glänzenden Früchte der Edelkastanie / Esskastanie werden aber auch zu Kastanienmehl verarbeitet, das von Natur aus glutenfrei ist.
  • Eine weitere Variante, um Esskastanien längere Zeit haltbar zu machen, ist die Herstellung von Kastanienpüree / Maronencreme / Maronenpüree / Crema Marroni. Da diese Art der Zubereitung etwas aufwändiger ist, dürften die meisten Verbraucher wohl eher auf die im Glas angebotenen Erzeugnisse der Lebensmittelhersteller zurückgreifen.

Edelkastanien-Honig

Edelkastanienhonig aus Deutschland vom Imkermeister Hartmut Münch aus Hannover. Oben dunkelbrauner, flüssiger Edelkastanienhonig und unten der gleiche Edelkastanienhonig nur cremig-gerührt und deshalb auch heller in dunklem beige. Bilder K.D. Michaelis

Ein ebenfalls sehr bekanntes Naturprodukt, das aber nicht aus den Früchten, sondern aus den Inhaltsstoffen der Edelkastanien-Blüten von unseren Honigbienen hergestellt wird, ist der Edelkastanienhonig.

 

Dafür sammeln die Bienen nicht nur den Blütennektar, sondern auch den Honigtau der Esskastanien-Blüten.

 

Der geringe Glucose-Anteil des dunklen, rotbraun bis braunen Edelkastanienhonigs sorgt dafür, dass er besonders lange flüssig bleibt (im Bild oben). Es gibt Edelkastanienhonig aber auch gerührt, wodurch er eine weichcremige Konsistenz erhält (das untere Glas im Bild mit seiner deutlich helleren Farbe, die eher an ein dunkles Gelb-Beige erinnert). Sein Geschmack wird als herb aromatisch beschrieben, wobei seine Süßkraft eher gering ausfällt. Lieben Dank an meinen Lieblings-Imkermeister Hartmut Münch aus Hannover für die Genehmigung seinen Honig für diesen Beitrag fotografieren zu dürfen.


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