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Sonnenblumen - mehr Fluch wie Segen

Sonnenblume mit zwei Honigbienen im Vorgarten von K.D. Michaelis
Nahaufnahme einer gelben Sonnenblumenblüte mit Wildbiene und Honigbiene von K.D. Michaelis

Für mich der Inbegriff von Sommer. Ein Feld oder ein Vorgarten mit in der Sonne strahlenden gelben Sonnenblumenblüten, die von eifrigen Bienen besucht werden - so wie oben zu sehen.

Mit einem Klick auf das jeweilige Bild lässt es sich vergrößern und dann findet man auf dem linken Foto auch die beiden Bienen, die sich dort auf der Blüte tummeln ;-)

 

Leider wird dieser Anblick immer seltener, was nicht nur für uns selbst, sondern vor allem für die vielen Wildbienenarten ein Drama ist. Warum?

 

Sonnenblumen (Helianthus) gehören zu den Korbblütlern (Asteraceae). Die Gewöhnliche Sonnenblume ist einjährig und nicht winterhart.

 

Trotzdem ist Sonnenblume nicht gleich Sonnenblume und leider gibt es je nach Sorte große Unterschiede, was die Insektenfreundlichkeit angeht. Denn die einzelnen Züchtungen unterscheiden sich nicht nur durch die Qualität und Menge des angebotenen Nektars und des Pollenvorrats, sondern es gibt auch immer mehr, die überhaupt keinen Nährwert für Bienen, Hummeln & Co. bieten.

 

Das liegt daran, dass das Hauptaugenmerk bei der Züchtung entweder auf einer Erhöhung des Ölgehalts der Sonnenblumenkerne oder auch ganz bewusst auf der Verringerung des Pollenanteils liegt. Auch die Erhöhung der Anzahl der Blütenblätter geht normalerweise zu Lasten des Pollenangebotes.

 

Alle drei Gründe führen in aller Regel dazu, dass sich das Nektar- und Pollenangebot für Insekten mindestens deutlich verschlechtert oder auch ganz wegfällt.

 

Die (Ohn-)Macht des Verbrauchers

Vorsicht bei so genannten 'schnittfesten' oder 'nicht staubenden' Sonnenblumen-Sorten. Etwas deutlicher ist die ebenfalls vorkommende Bezeichnung 'pollenarm', die den Käufer schon eher ahnen lässt, was er hier in den Einkaufskorb und dann in den Kübel oder ins Beet packt.

 

Dabei handelt es sich in aller Regel um recht großblütige Sorten, die speziell als Schnittblumen gezüchtet wurden. Es gibt sicherlich Verbraucher, die den irgendwann unvermeidlich herabrieselnden, gelben Pollen einer 'normalen bzw. gewöhnlichen' Sonnenblume auf dem heimischen Esstisch überhaupt nicht mögen. Aber hoffentlich auch ganz viele Andere, die ihre Sonnenblumen lieber im Garten blühen sehen oder die kein Problem damit haben, den Pollen um die Vase wegzuwischen. Wobei die Samenhersteller bewusst Sorten züchten, die möglichst wenig Pollen und damit auch wenig Ärger beim Verbraucher produzieren sollen.

 

Auch wird normalerweise davon ausgegangen, dass der Großteil der Verbraucher auf besonders üppige Blütenstände Wert legt - was in der Vergangenheit auch durchaus seine Berechtigung gehabt haben mag. Inzwischen ist der naturnahe Garten glücklicherweise auf dem Vormarsch und viele Gartenbesitzer sind sich bewusst, dass halbgefüllte oder gefüllte Blüten normalerweise so gut wie keine Nahrung für Insekten mehr bereithalten oder diese (wie beispielsweise bei den Dahlien) zwar teilweise noch vorhanden, aber durch das sehr dichte Herz der Blüte für Biene, Hummel & Co. nicht mehr erreichbar ist.

 

Was wirklich schade ist, da es gerade im Spätsommer für die Bienen enorm wichtig ist, dass sie noch hochwertige Nahrung finden. Denn normalerweise würden Sonnenblumen in dieser trachtarmen Zeit eine gute Quelle für wichtigen Pollen und Nektar darstellen - durch diese neuen Züchtungen wird dies jedoch verhindert. Auch wenn die verschiedenen Wildbienen natürlich trotzdem auch an diesen Blüten auf Nahrungssuche sind - nur leider vergebens.

 

Noch vor einigen Jahren gab es häufiger ganze Sonnenblumenfelder zu bestaunen, wenn man über Land fuhr. Heute hat so ein Anblick jedoch schon eher Seltenheitswert. Einmal gibt es deutlich ertragreichere Feldfrüchte, mit deren Anbau sich mehr Geld pro Hektar erzielen lässt und zum Anderen findet man auch bei den Blumenfeldern zum Selberpflücken oftmals schon oben erwähnte, pollenfreie Sonnenblumensorten, die dann für Bienen leider wertlos sind. Dies sind auch einige der Gründe dafür, warum es fast schon keinen Sonnenblumen-Honig mehr zu kaufen gibt, was ebenfalls wirklich schade ist. Sortenrein ist dies ein milder, weichcremiger Honig, der oftmals eine richtig gelbe Farbe aufweist und hervorragend schmeckt.

 

Wenn ich mich mit meiner Einschätzung nicht irre und es wirklich viele Insektenfreunde unter den Garten- und Balkonbesitzern gibt, was können wir dann tun? Wir sollten gezielt nach insektenfreundlichen Pflanzen (nicht nur bei Sonnenblumen) fragen oder auch nur solche kaufen, die mit einem entsprechenden Hinweis versehen sind. Wenn die anderen Sorten im Regal liegen bleiben und sich als Ladenhüter entpuppen, mit denen kein Geld zu verdienen ist, spätestens dann sollte sich hoffentlich etwas ändern.

 

Bienenfreundliches Sonnenblumen-Saatgut

Wer ganz sichergehen möchte, kann sich bei speziellen Anbietern nach pollen- und nektarliefernden Sonnenblumensorten umsehen. Auch die Imker haben mit dem Problem zu kämpfen, dass die meisten Sonnenblumenfelder nicht mehr honigen - sprich sich ein Aufstellen der Bienenkästen in deren Umgebung nicht mehr lohnt, weil die Honigbienen zu wenig Nektar und Pollen finden. So überleben die Völker dort zwar meist noch (ohne Zufütterung), können aber aufgrund des Nahrungsmangels keinen überschüssigen und damit entnehmbaren Honigvorrat mehr produzieren.  Einige Imker empfehlen Sonnenblumen-Sorten wie zum Beispiel: Gala, Rigasol, Sideral, Helena oder Torre, die jedoch oftmals nicht einfach zu bekommen sind.

 

Beispiele für Spezialanbieter von bienenfreundlichen Samen/Saaten

  • Bienenretter (zum Beispiel: 'Sonnenblumen pollenreich')
  • Insektensaatgut (verschiedene bienenfreundliche Sorten, zum Beispiel Sonnenblume Bunter Mix Helianthus annuus)
Nahaufnahme einer großen, gelben Sonnenblumen-Blüte mit Honigbiene von K.D. Michaelis
Nahaufnahme einer großen, gelben Sonnenblumen-Blüte mit Wildbiene und Honigbiene von K.D. Michaelis


Pflegehinweise für einjährige Sonnenblumen

Hat man eine für sich passende (und hoffentlich bienenfreundliche) Sorte gefunden, so braucht man eigentlich nur noch ein sonniges Plätzchen im Garten und kann sich - je nach Sorte - oft schon ab Juli bis in den November hinein an den wunderschönen, gelben Blüten der Sonnenblume erfreuen, die es natürlich nicht nur in verschiedenen Größen, sondern auch in unterschiedlichen Gelb-, Orange- und Rottönen bis hin zum Schokoladenbraun gibt.

 

Ein gut mit Nährstoffen versorgter, humoshaltiger, durchlässiger Gartenboden an einem warmen, geschützten Standort sorgt für schöne Pflanzen, wenn sie ausreichend mit Wasser versorgt werden. Sonnenblumen haben einen mittleren Wasserbedarf und sollten nicht komplett austrocknen. Einige Sorten vertragen auch Halbschatten.


Bei den Wuchshöhen findet man eigentlich alles:

  • So werden Zwerg-Sonnenblumen nur etwa 30 Zentimeter hoch.
  • Während die normale Sonnenblume so zwischen 1,5 bis 3 Meter erreicht.
  • Riesen-Sonnenblumen können sogar über 4 oder 5 Meter emporragen.

Letztere sollten dann aber unbedingt vor Windbruch geschützt werden, indem man sie an einem Rankgerüst an der Hauswand, an Bäumen oder am Zaun festbindet. Viele der einjährigen Sonnenblumen sind normalerweise etwa 1,20 Meter hoch.

 

Mehrjährige, kleinere Sonnenblumen-Stauden

Die kleineren Formen sind so genannte Sonnenblumen-Stauden, die gegenüber den einjährigen Sonnenblumen den Vorteil haben, dass man sie nicht jedes Jahr neu aussähen muss, da sie mehrjährig und normalerweise recht gut winterhart sind.


Eine Ausnahme - was die Größe angeht - bildet die Staudensonnenblume (Helianthus decapetalus). Sie wird etwa mannshoch und liefert im Juni bis Oktober begehrte Insektennahrung in Form von Nektar und Pollen und dank ihrer Sonnenblumenkerne auch ein begehrtes Winterfutter für Vögel. Aufgrund ihrer Höhe können Stützstäbe angebracht sein, was nicht zuletzt auch den Vögeln das Landen und Fressen erleichtert. Ein Winterschutz in Form einer dicken Laub- oder Kompostschicht (evtl. mit Reisig darüber) schützt die Pflanze, wenn sie im Herbst bis knapp über dem Boden zurückgeschnitten wurde.

 

Zu den Stauden-Sonnenblumen zählt übrigens auch die - ebenfalls recht hohe - Helianthus tuberosus, besser bekannt als Topinambur. Sie wird gerne von hungrigen Insekten besucht und liefert sogar uns Nahrung - in Form ihrer essbaren Wurzeln. Sie hat jedoch einen entscheidenden Nachteil, der sie schon zu so manchem Alptraum eines Gärtners werden ließ. Sie hat einen enormen Verbreitungsdrang und sucht sich ganz von alleine neue Plätze im Garten. Nicht immer zur Freude der Gartenbesitzer.


Halbgefüllte oder gefüllte Stauden-Sonnenblumen-Sorten eignen sich normalerweise nicht für Insekten. Under den Stauden-Sonnenblumen finden sich etliche Hybrid-Züchtungen, die keine Sonnenblumenkerne bilden.


Andere Insekten-Magnete aus der Korbblütler-Familie

Das Sonnenauge und die beiden Arten des Sonnenhutes (Echinacea und Rudbeckia) gehören ebenfalls zur großen Familie der Korbblütler, weshalb es nicht weiter verwundert, dass auch diese hübschen Blühpflanzen eine bei Insekten sehr beliebte Futterpflanze sind.

 

Noch mehr Infos zu diesen drei hübschen Insektenfutterpflanzen finden sich beim Klick auf die obigen Links oder auf die unteren Bilder.

  

Eine Wildbiene hat es sich auf der Blüte eines Sonnenauges gemütlich gemacht, um sich hier zu stärken.

Sonnenaugen-Blüte mit Wildbiene von K.D. Michaelis

Rosa Blütenstände einer Echinacea. Dieser Sonnenhut wird auch als Igelkopf oder Scheinsonnenhut bezeichnet.

Rosa Blütenstände des Sonnenhutes Echinacea von K.D. Michaelis

Eine riesige Erdhummel im Anflug auf ebenso große Blüten eines Rudbeckia-Sonnenhutes.

Dicke Erdhummel im Anflug auf die riesigen, gelben Blüten einer Rudbeckia von K.D. Michaelis


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