Einstufung Bienenweide / Insektenweide: Skala für Nektarwerte und Pollenwerte

4-stufige Skala für Nektarwerte und Pollenwerte von Pflanzen zur Einstufung als insektenfreundlich oder eben auch nicht. Bild K.D. Michaelis

Es gilt wie immer:
Keine Regel ohne Ausnahme.

 

Doch diese 4-stufige Skala wird - mit großem Abstand - am häufigsten verwendet, wenn es darum geht, den Wert einzelner Pflanzen für Insekten (und natürlich im Speziellen auch für Bienen) zu beschreiben.

Weshalb auch ich mich dieses Hilfsmittels bediene, wenn bei meinen Beiträgen Nektar- und Pollenwerte angegeben sind.

 

Diese Skala reicht von Null bis 4.

  • Wobei Null bedeutet, dass kein Nektar bzw. kein Pollen in der Blüte vorhanden ist.
  • Die Zahl 4 steht für den maximal zu erreichenden Höchstwert.
    Dieser wird jedoch nur in ganz wenigen Ausnahmefällen erreicht.
    Wie zum Beispiel von der Phacelia: Nektar 4 und Pollen 3.

Trotzdem sind hohe Nektar- und Pollenwerte alleine noch kein Garant für reichen Insektenbesuch im eigenen Garten oder auf dem Balkon.

 

Die reine Nektar- und Pollenmenge alleine macht es nicht

Die erreichte Zahl setzt sich jedoch nicht nur aus der reinen Menge an Nektar oder Pollen zusammen. Sie soll auch zeigen, wie gut diese Menge im Verhältnis zu allen anderen zu dieser Zeit verfügbaren Nahrungspflanzen ist. Dabei gibt es jahreszeitlich bedingt große Unterschiede, weshalb die Nektar- und Pollenwerte auch immer im Zusammenhang mit der Blütezeit der Pflanze gesehen werden sollten.

  • So stehen am Anfang des Jahres und im Vorfrühling eher wenige Blütenpflanzen zur Verfügung.
  • Im eigentlichen Frühling und Frühsommer finden unsere Insekten in aller Regel ein großes Angbot an Futterpflanzen vor.
  • Im Hochsommer herrscht hingegen meist schon wieder Nahrungsmangel - genauso wie im Herbst.
  • Die fliegenden Insekten, die bei uns überwintern, halten in aller Regel Winterruhe, da sie jetzt keine Blütenpflanzen mehr finden würden.

Deutliche lokale, witterungstechnische Unterschiede

Der jeweilige eigene Standort ist ebenfalls ein entscheidender Faktor. So herrscht in Norddeutschland normalerweise ein deutlich milderes Klima als im Süden unserer Republik, wodurch sich auch die Blühzeiten der gleichen Pflanzenart um Wochen verschieben können. Auch größere Wasserflächen sorgen beispielsweise im Normalfall für ein milderes Kleinklima.

 

Das gilt natürlich auch für die jedes Jahr unterschiedlichen Warm- und Kaltphasen bzw. die Regenmenge oder Dauer der Trockenheit. Wir alle kennen ein verregnetes Frühjahr oder einen viel zu nassen Sommer. Im Gegensatz zu einer langandauernden, sommerlichen Hitzeperiode oder einem strengen bzw. milden Winter. Alle diese Faktoren entscheiden darüber, ob und wann eine Pflanzenart blüht und wie lange ihre Blühdauer in diesem Jahr ist. Dies wirkt sich dann auch direkt auf die Attraktivität der jeweiligen Pflanze für Insekten aus.

  

Konkurrenz der Pflanzen in unmittelbarer Nachbarschaft

Nicht nur die rund 560 bei uns heimischen Wildbienenarten (von denen mehr als die Hälfte vom Aussterben bedroht ist), sondern auch viele andere fliegende Insekten, wie unzählige Fliegenarten, Käfer und Schmetterlinge sind auf Nektar und Pollen als Nahrung angewiesen. Im täglichen Überlebenskampf ist es wichtig, nicht zuviel Energie mit der Nahrungssuche zu vergeuden. Weshalb es für die Tiere entscheidend ist, welche Pflanzen in welcher Menge in ihrem jeweiligen Einzugsbereich / Fluggebiet gerade verfügbar sind.

 

Stehen auf eng begrenztem Raum verschiedene gute Futterquellen zur Verfügung, entscheidet oftmals die Nektar- oder Pollenmenge der verschiedenen Blütenpflanzen darüber, für oder gegen welche Blühpflanze sich das Insekt entscheidet. Das erklärt auch, warum die gleiche als Bienen- oder Insektenweide eingestufte Pflanze in dem einen Garten von Insekten nur so umschwirrt wird, während sie in einem anderen Garten mehr oder weniger ignoriert wird. Hier spielt die Konkurrenzsituation vor Ort die entscheidende Rolle.

 

Dabei geht es aber nicht nur um die Nahrungsmenge pro Blüte, sondern auch um die Gesamtmenge an Nahrung, die so eine Blütenpflanze liefert. Weshalb ein großer Apfelbaum, Kirschbaum oder eine große, blühende Linde oft schon ausreicht, um die benachbarten Bienen-/Insektenfutterpflanzen in den Schatten zu stellen. da blühende Bäume mit ihrer Vielzahl an Blüten sehr viel Nahrung auf kleinstem Raum bieten. Handelt es sich gar um eine Obstplantage oder eine Straße mit dichtstehenden, blühenden Alleebäumen gilt dies natürlich erst recht.

  

Ein perfekter Lebensraum bietet neben Nahrung auch Wasser und Nistmöglichkeiten

Insekten benötigen jedoch nicht nur Nahrung, sondern - genau wie wir - auch Wasser und einen Platz zum Nisten. Fehlen die anderen beiden Voraussetzungen wird man auf bestimmte Blütenbesucher stets vergebens warten.

 

Viele Solitärbienenarten haben einen eher kleinen Aktionsradius und brauchen zudem entweder Totholz oder trockene, bewuchsfreie Sandflächen bzw. Nischen und Spalten zwischen Steinen oder Felsen zum Nisten. Daneben gibt es noch absolute Nahrungsspezialisten unter den Wildbienen, die auf eine oder einige wenige (meist enger verwandte) Nahrungspflanzen beschränkt sind, wie etwa die Große Spiralhornbiene. Viele dieser spezialisierten Wildbienen tragen dann auch die Pflanze bereits in ihrem Namen, wie die Natternkopf-Mauerbiene. Man unterscheidet zwischen so genannten oligolektischen und streng oligolektischen Wildbienen.

 

Honigbienen und viele andere Fluginsekten können übrigens NICHT schwimmen. Weshalb es wichtig ist, dass Insektentränken möglichst flach gestaltet sind und immer mit Ausstiegsmöglichkeiten versehen sind, falls doch einmal ein Insekt ins Wasser gefallen sein sollte. Dafür eignen sich beispielsweise kleine Steine oder Korken von Weinflaschen oder auch Schilfstängel. Wobei Insekten den Geschmack (und die Inhaltsstoffe) von einer Pfütze bevorzugen. Reines Leitungswasser ist hier nicht die richtige Wahl. Etwas Dreck darf schon im Wasser sein ;-)

 

Falls dies möglich ist, sollte man größere Wasserflächen von Regentonnen, Gartenteichen oder Kinder-Pools / Planschbecken mit einem möglichst kleinmaschigen Netz abdecken. Das verhindert nicht nur, dass Insekten darin qualvoll ertrinken, sondern auch die Ansammlung größerer Mengen von langsam faulenden Blättern im Wasser.

   

Einige Solitärbienen, wie beispielsweise etliche Mauerbienen-Arten, nehmen auch gerne Nisthilfen an. Diese kann man entweder selberbauen (zum Beispiel aus leeren Konservendosen) oder auch fertig kaufen. Diese oftmals fälschlicherweise als Bienen- oder Insektenhotel bezeichneten Produkte weisen jedoch deutliche Qualitätsunterschiede auf. Wobei die Insekten darin nicht wirklich wohnen und auch nicht darin überwintern, sondern diese 'Hotels' lediglich zur Eiablage nutzen.

 

Das Wichtigste ist jedoch, dass die Niströhren mindestens 10 Zentimeter Tiefe besitzen und möglichst in verschiedenen Durchmessern (zum Beispiel mit 4, 6 und 8 Millimetern) vorhanden sind. Diese Nisthülsen können sowohl aus Karton, als auch aus Schilf oder Bambus bestehen. Wildbienen höhlen aber beispielsweise auch gerne dickere Brombeerranken aus, um darin ihre Eier abzulegen.

   

Verhältnis der Blütengröße zur Größe des Insekts

Bei einigen Insekten spielt es aber auch eine Rolle, wie einfach es für sie ist, an den Nektar zu kommen. So tun sich beispielsweise große, schwere Hummelköniginnen oder dicke Brummer, wie Rosenkäfer und Maikäfer deutlich schwerer auf filigranen Blüten zu landen und sich dort festzuhalten.

  

 

Dieser hübsche, metallisch glänzende Rosenkäfer ist gleich mehrmals von den sehr kleinen Glanzmispel-Blüten gefallen. Doch aufgegeben hat er nicht, auch wenn er für diese Kletterpartie auf den filigranen Blüten eigentlich ein wenig zu schwer war ;-)

Laut brummend kam er anschließend wieder nach oben geschwirrt.

  

Kleinere Solitärbienen, Honigbienen oder besonders leichte Fliegen haben mit den gleichen Blüten hingegen gar kein Problem. Weshalb sich gerade bei Bienen beispielsweise sogar eher eine besondere Vorliebe für besonders kleine Einzelblüten, die büschelweise angeordnet sind, beobachten lässt.

 

Einige Hummelarten besitzen nur recht kurze Saugrüssel, was es ihnen bei bestimmten Blütenformen unmöglich macht, auf normalem Weg bis zum Nektar vorzudringen. Sowohl Bequemlichkeit, als auch die Länge des Saugrüssels führen so zu den typischen Löchern in den Blütenkelchen - zum Beispiel bei Akeleien - die fast immer von Hummeln hineingebissen wurden, um schnell und einfach an deren Nektar zu gelangen.

  

 


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